Über das Leben
Okay, das letzte Jahr hatte mehr Tiefen als eigentlich geplant, aber das ist auch gut so.
Ich hab das Aufstehen wieder gelernt. Ich hab mich einmal kurz ausgeklinkt, nur um zu sehen, ob das überhaupt noch ich bin. Anscheinend war das nicht so, denn mit dem ganzen Hingefalle und wieder Aufgestehe, den beschissenen Momenten, den Guten, kann ich jetzt auf ein Jahr zurückblicken, mit dem ich zufrieden bin. Marburg hat nich geklappt, aber ich habe bis jetzt auch in Würzburg einen guten Start gehabt, wofür mir mein Bachelor hier ein gutes Grundgerüst stellt.
Sag mir, wie fühlt es sich an, wenn der Rest der Welt dich nicht halten kann?
Hätte man mir mit fünf oder sechs mal gesagt, wie das eigentlich läuft, mit dem Großwerden, ich hätte mich wahrscheinlich in Blechtrommelmanier dem Altern verweigert. Man lebt so lange in seiner eigenen Blase, bis sie platzt und so mir nichts, dir nichts knallt man auf den harten Boden der Realität. In diesen Momenten bin ich wütend. Wütend auf alles und jeden, bis nach einiger Zeit die Erkenntnis kommt, dass man selbstverschuldet in diesen Situationen landet. Im Umkehrschluss heißt das: Man kommt auch nur selbst daraus. Allerdings bin ich in diesen Moment äußerst dankbar, Menschen um mich zu haben, die mir die Hand reichen, trotz aller Manien und Wut, die ich auf die Welt und mich selbst habe.
Großwerden und Erwachsenwerden. Diese verdammten Komponenten des Lebens. Groß wird man immer, aber Erwachsen?
Mit zunehmendem Alter (also dem größer werden) wird einem ein bestimmtes, rationales, vielleicht nicht immer nachvollziehbares, aber zumindest dem Alter angepasstes Verhalten unterstellt. Soviel zur Theorie. Erwachsen seim bedeutet, entweder das man mit dieser Haltung konform läuft. Was ist aber mit dem Kind im Manne, diesem impulsiv-emotionalen Rest Kindheitstraum(a), dass einem doch die Welt gehört, dass man lieber fünf mal falsch abbiegt, als betretene Pfade zu gehen. Auch das ist Erwachsen sein, oder? So befindet man sich selbst in einem beständigen Wechselspiel zwischen Sich und sich selbst, zwischen dem was man gerne wäre und dem was man gerade im Stande ist, zu sein. Dann kommt auch noch die Umwelt dazu. Also die Summe an Menschen, die man zum einen gerne um sich hat und die andere Gruppe von Menschen, die man irgendwie um sich haben muss – positiv wie negativ.
Versteht mich nicht falsch, ich hab das Menschen hassen aufgegeben. Es gibt solche, die sind einfach fragwürdig, aber Aufregen, im Sinne von richtig wütend werden, das lohnt in vielen Fällen einfach nicht. Hier gilt für mich die Formel, dass Scheisse zwar immer in Haufen kommt, aber man trotzdem putzen muss. Egal, ob man sich aufregt, oder nicht – Leben eben. Oder anders: Auf jeden Menschen, der dich nervt, kommt einer, der das nicht tut, oder mit dem man über die Nervtöter abrotzen kann.
Wie passt das jetzt alles in den größeren Kontext? Erwachsen werden, nicht (nur) das altersspezifische Verhalten, sondern auch, die bloße Akzeptanz des Anderen, das tägliche für und wider, die Diskrepanz zwischen Wollen und Sollen. Aber erwachsen sein heißt auch, das alles erst zu verstehen. Ich kann sagen, dass mich das letzte Jahr einen Schritt nähezur Verständniserkenntnis gebracht hat.

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